„Unternehmensberater verkaufen ihren Kunden in der Regel 0815-Ware und keine maßgeschneiderten Lösungen“, sagte Thomas Leif, Chefreporter beim SWR, im Interview mit ChangeX . Unternehmensberater generierten ihr Wissen nicht aus eigener Kraft, sondern über die zu beratenden Mitarbeiter. Dann sagt Herr Leif noch weiter:

"Bei allen Beratungsgeschäften gehe es in erster Linie um Folgeaufträge und oft zielten die Aktivitäten der Berater nicht auf die Problemlösung der Projektaufgabe, sondern auf die erfolgreiche Akquise künftiger Aufträge."

Dies tut der Berater im Public Sector oft bereits schon bei seiner Mitwirkung bei der Softwareauswahl: Verhilft er einer guten Software zum Einsatz, so wird der Berater bald nicht mehr gebraucht, denn der Beratungsbedarf geht bei einer guten Lösung schnell gegen Null. Gelingt es dem Berater aber, eine Lösung, die er gut kennt,  zum Einsatz zu bringen, so muß er sich nicht neu einarbeiten, wenn diese Lösung dann auch noch schlecht ist, so ist seine Beschäftigung (und auch die von seinen Kooperationspartnern, dem Softwarelieferant) auf Dauer gesichert.

Als Nebeneffekt schlechter Ergebnisse ist in vielen Verwaltungen eine große Verunsicherung über das Thema "Software in der Verwaltung" entstanden. Die Ansicht hat sich herausgebildet, daß das Thema Software so außerordentlich komplex zu sein scheint, daß selbst mit in Anspruchnahme von hoch qualifizierten Beratern und großen Softwarefirmen mit tausenden von Programmierern im Hintergrund keine besseren Ergebnisse erzielt werden können.

Dies hat wiederum zur Folge, daß sich heute kaum ein Verwaltungsleiter die Softwareauswahl für seine eigene Verwaltung noch selbst zutraut. Die Erfahrung lehrt, daß oft gerade Berater aber die Ursache für schlechte Ergebnisse sind. Und selbst bei großen Beratungsgesellschaften ist man vor schlechten Ergebnissen nicht gefeit. Beispiele für dafür gibt es so einige.

Nur aufgrund meiner Kontakte zu Forschungseinrichtungen könnte ich weitere anfügen. Zum Beispiel auch die Geschichte darüber, wie es einer Beratungsgesellschaft gelang, eine große renommierte deutsche Forschungseinrichtung um ca. 23 Millionen Euro zu "erleichtern" und mit der empfohlenen Software an den Rand der Funktionsfähigkeit zu bringen.

In der Regel ist den Betroffenen sehr daran gelegen, Falschberatungen nicht öffentlich werden zu lassen. Schließlich sind in der Regel dabei öffentliche Mittel verloren gegangen.  Nur aus diesem Grund konnte so manch Verantwortlicher noch seine Zeit bis zur Rente auf seiner Führungsposition verbleiben. Eine Entlassung würde zu viel Öffentlichkeit nach sich ziehen und ein "Schuldeingeständnis" bedeuten. So auch im oben beschriebenen Fall.

Oft galt es nach einer Falschberatung nur noch, den Zusammenbruch der Verwaltung zu verhindern, ein etwaiger Rechtsstreit mit der Berater- oder Softwarefirma wäre zu diesem Zeitpunkt kontraproduktiv. In dieser Situation tendieren Führungskräfte dazu, mental das Lager zu wechseln und gegenüber Mitarbeitern auch kleine Erfolge als "großen Wurf" verkaufen. In der Regel entsteht schließlich so etwas wie ein Minimalkonsens, der von den ursprünglich erhofften - jedoch meist nicht hinreichend vertraglich fixierten - Ergebnissen meist weit entfernt ist, Haftungsansprüche können nur selten geltend werden.

Berater- und Softwarefirmen wissen das.

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Literatur

Rainer Steppan, Versager im Dreiteiler – Wie Unternehmensberater die Wirtschaft ruinieren, 256 Seiten, 2003, Eichborn Verlag, 19,90 Euro.

Links

Berater und das teure Geschäft mit Zauberformeln: "Consultants talk funny and make money"
http://www.ne-na.de/A556D3%5Cnena%5CNENA_NEU.nsf/0/6C8CF668D67BE675C1256E2B0059C4C2?OpenDocument
Der Link wurde mittlerweile entfernt: deswegen bitte auf www.ne-na.de gehen und die "Profirecherche starten", dann als Suchbegriff "Berater und das teuere Geschäft" eingeben. Dann sollte das Dokument erscheinen.
Die Suche nach "Consultants" auf der gleichen Seite bringt einige andere interessante Ergebnisse.

Unternehmensberater: Im Reich der Träume
Nach der Gerster-Affäre kommen Beratungsfirmen bundesweit unter Druck: Mehr als eine Milliarde Euro lässt sich der Staat die Hilfe der Externen pro Jahr schon kosten. Dabei ist der Einsatz oft überflüssig, die Ergebnisse sind teils grotesk."
(Der Spiegel-Online, 6/2004, vom 2. Februar 2004 [
DER SPIEGEL 6/2004]), hier abrufbar
(
Dieser Link wurde mittlerweile leider entfernt, was aber angesichts der sicherlich heftigen Proteste der in diesem Bericht erwähnten Firmen und Personen und den Folgen des auf Werbeeinnahmen angewiesenen Verlages aber verständlich ist.)

Die Berater-Republik
http://www.zeit.de/2004/07/Berater

"Qualitätsziele" für Buxtehude
http://www.zeit.de/2004/07/Beist_9fck

Boom in Krisenzeiten
http://www.zeit.de/2004/07/Berater-Kasten

Für Standard-Berater von geförderten Einrichtungen
Standardkriterienkatalog als Rtf-Dokument